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Ehrung "60 Jahre aktives Tischtennisspiel" für Ludwig Schuster

Eingerahmt von den Vorständen der TTF Bad Wörishofen, Karl Deeg (li.) und Hermann Kees (1. Vors., re.), sowie Bezirksvorsitzendem Johann Fischer (2. v. li) und Kreisvorsitzendem Lothar Gohmert (2. v. re.) nahm Ludwig Schuster die Ehrung für 60 Jahre aktives Tischtennisspiel in Empfang.

 

 

60 Jahre an der grünen Tischtennisplatte


Wenn Begriffe wie Zuverlässigkeit, Vereinstreue, Ausdauer oder akribischer Arbeiter in einem Verein jemals ihre Gültigkeit besaßen, dann treffen sie auf den Kneippstädter „Mr. Tischtennis“ ganz besonders zu. Ludwig Schuster, den fast alle nur „Lucky“ nennen, kann in diesen Tagen ein ganz spezielles Jubiläum feiern. Er steht seit nunmehr 60 Jahren aktiv an der Tischtennisplatte und wurde dafür vom Verband geehrt. In die Kneippstädter Turnhalle waren dazu der Bezirksvorsitzende Johann Fischer und der Kreisvorsitzende Lothar Gohmert gekommen, die Ludwig Schuster die Goldene Leistungsnadel mit Urkunde verliehen. Beide, wie auch Vereinsvorsitzender Hermann Kees hoben die Einmaligkeit der Leistungen der Kneippstädter „Tischtennislegende“ hervor.


Doch ist dieses Jubiläum nur ein Teil von dem, was Ludwig Schuster für die Tischtennisfreunde, darüber hinaus aber auch für den Tennisclub, aus dem er hervorgegangen ist, geleistet hat. Außerdem ist er ja auch noch für die MZ als freier Mitarbeiter in vielen Bereichen unterwegs und schreibt natürlich auch die Tischtennisberichte. Mit den 58 Jahren als freier Mitarbeiter der Zeitung dürfte er auch hier Rekordhalter im weiten Umkreis sein.


Doch der Reihe nach: Ludwig Schuster war bereits dabei, als die Abteilung Tischtennis im Tennis- und Turnierclub Bad Wörishofen als Überbrückung der Wintermonate im Jahre 1955 gegründet wurde. Schon beim ersten Punktspiel gegen die SG Dösingen am 14. Oktober 1956 stand er in der Mannschaft. Seitdem hat er genau 1339 Spiele für den Verein bestritten und dabei 3561 Einzel- und Doppelspiele absolviert. Dass er durchaus Ehrgeiz besitzt, zeigt seine Anmerkung im Gespräch, dass er wesentlich mehr gewonnen, als verloren hat. An den Erfolgen des Vereines war er von Anfang an maßgeblich beteiligt. So spielte er 25 Jahre in der I. Mannschaft und prägte auch die hochklassigen Jahre in Landesliga, Bayernliga und 1. Bezirksliga mit. Bewundernswert daran, dass Ludwig Schuster in diesen 25 Jahren kein einziges Spiel seiner Mannschaft versäumt hat. Ein weiterer Rekord dürfte ihm ebenfalls wohl nie genommen werden. 59 Stadtmeisterschaften spielten die Tischtennisfreunde bisher aus und an allen nahm Ludwig Schuster teil. Zusätzlich war er natürlich auch immer in die Organisation mit eingebunden, denn schließlich stand er von 1958 bis 1999 lange 40 Jahre auch an der Spitze des Vereines. Einzelstadtmeister wurde er allerdings nur einmal, in der Saison 1977/78. Hier stand ihm fast immer der überragende Heini Müller im Wege, mit dem er aber zusammen sechsmal die Doppelmeisterschaft in der A-Klasse errang. Zwei weitere Doppeltitel kamen mit Werner Schwaier und Dieter Gerhardinger dazu. Im Einzelsport belegte er dazu noch 57 mal 1. Plätze, 42 mal 2. Und 34 mal 3. Plätze.


Dass dies alles so genau belegt ist, auch dies verdankt der Verein Ludwig Schuster. In akribischer Kleinarbeit hat er seit der Gründung des Vereines jedes Spiel jeder Mannschaft und jedes einzelnen Spielers in seinem Archiv festgehalten. Alle Spielberichte sind hier sorgfältig abgeheftet und dies sind immerhin ca. 140 Spiele im Jahr. Was heute bei jüngeren Sportler jeglicher Couleur wohl kaum noch zu finden ist: Bei Ludwig Schuster stand sein Sport immer an erster Stelle, ehe er etwas anderes unternommen hätte. „Außerdem hatte ich das Glück, dass ich eigentlich nie krank oder verletzt war“, merkt er bescheiden zu seiner Zuverlässigkeit an. Dass ihn der Verein nach seinen 40 Jahren an der Spitze zum Ehrenvorsitzenden machte, versteht sich dabei fast von selbst, denn er war nicht nur Vorsitzender, sondern auch „Mädchen für alles“ im positiven Sinn bei den Tischtennisfreunden, wie es in der Festschrift vermerkt ist.


Begonnen hat Ludwig Schusters sportliche Laufbahn allerdings beim Tennis und auch hier war er überaus erfolgreich. Bereits 1956 wurde er schwäbischer Juniorenmeister, spielte viele Jahre in der legendären damaligen Oberliga-Mannschaft des TTC und wurde zusammen mit Heini Müller Schwäbischer Vizemeister und Allgäuer Meister. Hier baute er ebenfalls das Vereinsarchiv auf, erforschte akribisch das tatsächliche Gründungsjahr und spielte bis vor zwei Jahren noch aktiv in den Seniorenteams. Auch dort ist Ludwig Schuster geschätztes Ehrenmitglied. Für sein Wirken erhielt er schon im Jahre 2000 die Verdienstmedaille der Stadt Bad Wörishofen.


An ein Aufhören mit dem Tischtennisspielen denkt er übrigens noch nicht. „Wenn ich gebraucht werde, spiele ich noch gerne in den unteren Mannschaften mit, lasse aber den Jüngeren immer den Vortritt“, merkt Ludwig Schuster dazu an, auch wenn im nächsten Jahr der 80. Geburtstag ansteht. Aber wie ist es dann, wenn er auf Gegner trifft, die seine Kinder oder gar Enkel sein könnten? „Sie reagieren eigentlich meistens ganz nett. Oft habe ich ja schon gegen ihre Väter gespielt und so kennen sie mich zumindest vom Namen her schon." Wenn man ihn nach seiner Liebe zu diesem Sport fragt, dann bekam man bereits früher zur Antwort: „Das Schöne daran ist, dass man Tischtennis bis ins hohe Alter noch gut spielen kann.“ Diese Aussage hat er, wie kaum ein anderer, buchstäblich bestens in die Tat umgesetzt.